„Erstellen Sie eine Liste unserer aktiven Kunden mit rückläufigem Umsatz.“ Der Auftrag klingt eindeutig. Für seine Ausführung fehlen jedoch möglicherweise mehrere Festlegungen: Was gilt als aktiv? Welcher Umsatz ist gemeint? Und gegenüber welchem Zeitraum soll er rückläufig sein?
Ein KI-Agent kann eine solche Anfrage in Abfragen und weitere Arbeitsschritte übersetzen. Ob daraus eine fachlich brauchbare Auswahl entsteht, hängt auch davon ab, welche Geschäftsdefinitionen er verwendet. Der Zugriff auf die richtigen Systeme beantwortet diese Bedeutungsfragen noch nicht.
Gleiche Begriffe können unterschiedliche Auswahlregeln bedeuten
Ein ausdrücklich illustratives Beispiel: Der Vertrieb betrachtet Kunden als aktiv, wenn innerhalb der letzten zwölf Monate ein Auftrag eingegangen ist. Der Service verwendet denselben Begriff für Kunden mit einem laufenden Wartungsvertrag. Beide Definitionen können für ihren jeweiligen Zweck geeignet sein.
Erhält ein Agent nur die Anweisung „aktive Kunden“, fehlt ihm die Entscheidung, welche Sicht für diesen Auftrag gelten soll. Eine technisch fehlerfreie Abfrage kann dann eine fachlich unpassende Liste liefern. Wird die Liste anschließend für Kontaktaufnahme oder Priorisierung genutzt, wirkt sich die Begriffsentscheidung auf den weiteren Prozess aus.
Hier liegt der Fokus dieses Beitrags: bei der verbindlichen Bedeutung von Begriffen und ihrer Zuordnung zu Daten. Wie Sie den gesamten Bedarf und die gewünschte Ergebnisqualität beschreiben, erläutert der Beitrag zu KI-Anforderungen.
Was eine Geschäftsdefinition für KI-Agenten enthalten sollte
Für den ersten Anwendungsfall empfiehlt sich eine kleine, fachlich verantwortete Sammlung. Am Beispiel „aktiver Kunde im Vertrieb“ könnte sie folgende Punkte enthalten; die konkreten Werte sind illustrative Festlegungen:
- Geltungsbereich: Vertriebliche Bestandskundenanalyse, nicht Serviceberechtigung.
- Auswahlregel: Mindestens ein bestätigter Auftrag innerhalb der vergangenen zwölf Monate.
- Ausnahmen: Stornierte Aufträge und interne Testkonten werden ausgeschlossen.
- Zeitbezug: Maßgeblich sind das festgelegte Auftragsdatum und ein dokumentierter Auswertungsstichtag.
- Datenbezug: Freigegebene Auftragsdaten und eindeutige Kundenzuordnung aus den dafür benannten Systemen.
- Verantwortung und Stand: Eine benannte fachliche Rolle verantwortet die Definition und ihre Änderungen; die verwendete Version ist nachvollziehbar.
Bei „Umsatz“ können zusätzlich Währung, Steuern, Gutschriften und die Zuordnung zu einer Periode entscheidend sein. Welche Angaben notwendig sind, ergibt sich aus der jeweiligen Leserfrage und dem späteren Verwendungszweck.
Versuchen Sie nicht, dafür sofort alle Unternehmensbegriffe zu vereinheitlichen. Beginnen Sie bei den Definitionen, die das Ergebnis des geplanten Einsatzes tatsächlich verändern können.
Ein Glossar muss mit Abfragen und Berechnungen verbunden sein
Ein Glossar erläutert die Bedeutung. Für eine Auswertung muss diese Bedeutung zusätzlich in der verwendeten Datenverarbeitung ankommen. Prüfen Sie daher, ob beispielsweise ein Ausschluss stornierter Aufträge auch in der Abfrage enthalten ist und ob mehrere Datenquellen dieselbe Kundenzuordnung verwenden.
Ein konkreter Anbieteransatz lässt sich in Googles Übersicht zu Conversational Analytics in Looker nachvollziehen: Die natürlichsprachliche Analyse baut auf der semantischen Modellierung in Looker auf. Datenagenten können zusätzlichen Kontext wie Geschäftsbegriffe erhalten. Das beschreibt eine Produktarchitektur, keinen allgemeinen Nachweis korrekter Agentenentscheidungen.
In den Konfigurationsempfehlungen für Looker rät Google unter anderem zu eindeutigen Bezeichnungen, Beschreibungen und zentral definierten Berechnungen. Dort wird auch darauf hingewiesen, dass wichtige Logik in bestimmten Dashboard-Berechnungen für Conversational Analytics unzugänglich sein kann und frei formulierte Agentenanweisungen veralten können.
Für Ihre Planung lässt sich daraus eine anbieterunabhängige Empfehlung ableiten: Prüfen Sie die gesamte Verbindung vom Begriff bis zum Ergebnis. Eine freigegebene Beschreibung, die das System nicht verwendet, löst das Problem ebenso wenig wie eine konsistente Berechnung mit ungeklärter fachlicher Bedeutung.
Eine zentrale semantische Schicht kann diese Verbindung unterstützen. Ob sie dafür neu aufgebaut werden muss, ist gesondert zu bewerten. Vorhandene, fachlich geprüfte Abfragen oder Schnittstellen können für einen begrenzten Einsatz bereits eine geeignete Grundlage bilden.
Mehrdeutigkeit vor einer Handlung auflösen
Für den Auftrag aus dem Einstieg könnte eine Rückfrage lauten: „Soll ich aktive Kunden nach bestätigten Aufträgen oder nach laufenden Wartungsverträgen auswählen?“ Für die Umsatzentwicklung wären Vergleichszeitraum und Kennzahldefinition zu klären.
Nicht jede Anfrage benötigt eine Rückfrage. Ein dokumentierter Standard kann ausreichen, wenn er zum vereinbarten Einsatz passt. In der Ausgabe sollte dann erkennbar sein, auf welcher Definition und welchem Stichtag die Auswahl beruht.
Widersprechen sich Quellen oder fehlen entscheidende Angaben, braucht der Agent ein vorgesehenes Verhalten: Rückfrage, begrenzte Auswertung mit offengelegter Annahme oder Übergabe. Welche Variante zulässig ist, hängt von den Folgen ab. Eine unverbindliche Analyse lässt sich anders behandeln als eine Aktion gegenüber Kunden.
Die Klärung der Bedeutung ersetzt keine Berechtigung. Ein Agent kann eine fachlich richtige Liste erzeugen und trotzdem nicht befugt sein, die betreffenden Personen zu kontaktieren. Die Aufteilung zwischen Analyse und Ausführung behandelt der Beitrag zur Rolle von KI-Agenten im Geschäftsprozess.
Definitionen mit Gegenbeispielen testen und pflegen
Sammeln Sie für jede entscheidende Definition Fälle, deren erwartete Einordnung Fachverantwortliche vorab festlegen. Für das illustrative Beispiel gehören dazu ein stornierter Auftrag, ein Kunde genau an der zeitlichen Grenze und ein laufender Wartungsvertrag ohne aktuellen Auftrag.
Prüfen Sie anschließend sowohl unterschiedliche Formulierungen derselben Frage als auch fachlich unterschiedliche Fragen. „Aktive Kunden im Vertrieb“ und „Kunden mit Serviceanspruch“ dürfen nicht allein wegen ähnlicher Wörter dieselbe Auswahlregel erhalten.
Kontrollieren Sie neben der sprachlichen Antwort die verwendeten Filter, Datenstände und Ergebnisse. Ein korrekt erklärter Begriff belegt noch nicht, dass die anschließende Abfrage ihn richtig umgesetzt hat. Halten Sie außerdem fest, ob das System bei den vorgesehenen Unklarheiten tatsächlich nachfragt.
Legen Sie eine fachliche Zuständigkeit für Änderungen fest. Wenn sich eine Definition ändert, ist zu prüfen, welche Agentenanweisungen, Abfragen, Beispiele und Tests betroffen sind. Für Vergleiche über die Zeit muss nachvollziehbar bleiben, ob frühere und aktuelle Ergebnisse auf denselben Regeln beruhen.
Fazit
Verbindliche Geschäftsdefinitionen verbinden eine natürlichsprachliche Aufgabe mit dem fachlich gemeinten Ergebnis. Dafür müssen Bedeutung, Datenbezug und Zuständigkeit zusammenpassen und im konkreten System geprüft werden.
Beginnen Sie mit einer begrenzten Entscheidungsfrage und den dafür ausschlaggebenden Begriffen. Eine gepflegte Definition mit nachvollziehbarer Umsetzung schafft eine bessere Prüfgrundlage als die Annahme, ein Agent werde den gemeinten Unternehmenskontext selbst erkennen.
Häufig gestellte Fragen
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